Es erfordert keinen Nibbana-Zustand, um zu verkünden: Wer sich als Person zu stark in den Vordergrund rückt, der weist der Kunst, seiner Kunst zwangsläufig den Platz in die hinteren Reihen. Deshalb mag es durchaus genügen, dass Sie es bei mir mit einem zufällig in Deutschland geborenen, in der Bildenden Kunst kurz geschulten Philosophen und Literaten "von Amts wegen" zu tun haben, der seinen Abschluss schon aus eigenem Prinzip nicht "schwer nimmt" und so viel Anstand wahrt, mit diesem irgend jemandem vor der Nase herumzufuchteln, um deutlich zu machen, wer hier "Meister der Künste" sei.
Kunst als "Berufung"
Die "Berufung" zum Künstler zwingt und zwickt und "verdingt" diesen, sich mit Armaden von Schaffenden zu beschäftigen und in zahlreichen Strömungen zu tauchen, dass es ihm zuletzt unmöglich wird, vor allem gegen den Strich geht, mit "lyrischer Stimme" bestimmte Einflüsse vorzutragen und sie sein Eigen zu nennen - zumal diese nach Belieben gehen und gelegentlich auch "reumütig" wiederkehren. Der Künstler wird sich getrieben sehen, bloß diejenigen Zunft-Mitglieder und Richtungen zu betonen, welche er nicht mehr von sich "abnabeln" kann, weil sie ihm zu "verschachtelt" in Körper und Geist gedrungen sind, ergo in seiner Identität - giert sie nach Selbstfindung - so manchen (man glaube es oder nicht) Schaden anrichten.
Kunst der "belles lettres"
nährt sich "leibgerichtlich" von der Gestaltung von Motiven und Stoffen, d.h. dem Wie (das Was stellt in dieser Kunst eher das "Digestif" dar). Folglich erweist sich der gute Künstler als solcher, wenn er mächtig ist, die Stoffe stilistisch auf ganz eigenartige Weise zu inszenieren. Im Übrigen muss er nicht ausnahmslos "aus der Haut fahren", um sie ausfindig zu machen: Seine innere Welt ist voll von Stoff, gerade auch "Zündstoff" - der Künstler muss nur geschickt genug zu graben und "streichholzen" wissen. Wer sich einige wenige Vorbilder nimmt und sich stilistisch an ihnen zu schulen versteht, der mag wohlmöglich "eines schönen Tages" seinen Fingerabdruck - übrigens weit ab von der "führenden Hand"! - ins "unschuldige Kerbholz" der Weltkunst fräsen.
Bildende Kunst
lebt, rechte Innovation jetzt einmal links liegen gelassen, insbesondere von technischen Einsatzmitteln - je umfangreicher eingesetzt, desto "technischer" und (gefühls-)vermittelnder das Produkt. Deswegen tut der Künstler gut daran, einem angehenden Werk prinzipiell mit vielen Instrumenten zu Leibe zu rücken. Lässt es dies bedingungs- und willenlos über sich ergehen, so wird der Künstler den größten Gefallen dann (und nur dann) erweisen, wenn er für diese "submissio sine qua non" am Ende nicht sich selbst dankend auf die Schulter klopft, sondern vielmehr in einem Zustand völliger Ruhe (mag sie auch noch so begrenzt sein) "ahnungslos" stumm verweilt.